Mittwoch, 23. Mai 2012
 
 
             

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Karlsruher Papas im Kino

Der entsorgte Vater

Unübersehbar rückt Douglas Wolfsperger das große Schild an der Südtangente ins Bild „Karlsruhe. Viel vor, viel dahinter“. Schauplatz seines Films ist über weite Strecken Karlsruhe und Umgebung. Drei der vorgestellten Väter, die mehr hinter sich als vor sich haben, kommen aus Karlsruhe, ein anderer aus Ettlingen und dann ist dann noch der Filmemacher selbst.
Douglas Wolfsperger ist ein entsorgter Vater. Nach jahrelangem Rechtsstreit mit seiner Ex-Freundin wurde ihm das Umgangsrecht mit seiner Tochter versagt. Wolfsperger tut nicht so, als wäre er ein objektiver Berichterstatter. Die Porträtierten äußern sich ungeschminkt und rückhaltlos vor der Kamera, was sie sagen, könnte auch gegen sie verwendet werden.
Bernd aus Daxlanden möchte am liebsten alle Frauen auf den Mond schießen, seine Ex-Frau hat ihn angezeigt wegen sexueller Belästigung der gemeinsamen Tochter. Der Vorwurf ist vom Tisch, doch der Stachel sitzt noch tief.
Franzjörg, Gründer des Väteraufbruchs in Karlsruhe, präsentiert sich beim Holzschlagen im Hardtwald als ganzer Kerl und redet über die traurigen Erfahrungen mit seinen beiden Töchtern, die er schon Jahre lang nicht mehr gesehen hat.
Harald musste die schmerzhafte Erfahrung machen, dass seine beiden Töchter den Umgang mit ihm zurückweisen, Versuche das alte Band wieder zu knüpfen, endeten mit einem Fiasko. Mit seinem Segelflugzeug versucht er sich über seine emotionale Misere zu erheben und die Kamera folgt ihm.
Wolfsperger, der Regisseur von „Bellaria“ und „Blutritter“, versucht trotz der Intimität und Privatheit der ausgebreiteten Geschichten Kinobilder zu liefern. Der Marktplatz sieht fantastisch aus durch das Weitwinkelobjektiv und auch die Straßenbahnen, die immer wieder ins Bild gerückt werden, machen eine gute Figur.
Relativ unspektakulär ist das Schicksal des Polizisten Ralf, der seine beiden Kinder gerne öfter sehen würde, was seine Frau aber verweigert. Heute empfindet er gelegentlich Hassgefühle gegenüber der Frau, die er mal geliebt hat. Aber die andere Seite kommt auch Wort: Birgit, Musikerin am Badischen Staatstheater, erklärt, warum sie ihrem Ex-Mann den Umgang mit der Tochter entzogen hat, und auch, dass der Vater ihres zweiten, während der Dreharbeiten geborenen Kindes totkrank und weit weg ist, stört sie nicht weiter. Männer sind Erzeuger, basta. Mit dieser Antwort kann sich nicht nur Wolfsperger nicht zufrieden geben.

 

Kinostart: 11.06.2009


© ka-city.de, veröffentlicht:
Karlsruher Papas im Kino


 
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